Doch als David sah, dass sie miteinander flüsterten, merkte er, was geschehen war. „Ist das Kind tot?“, fragte er: „Ja“, antworteten sie. Da stand David auf, wusch und salbte sich und wechselte die Kleider. Dann ging er ins Heiligtum des Herrn und betete zu ihm. … Dann tröstete David seine Frau Batseba und schlief mit ihr. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. David nannte ihn Salomo. Der Herr hatte das Kind lieb und sandte den Propheten Nathan, der ihm im Auftrag des Herrn den Namen Jedidija gab. Aus 2. Samuel 12, 19-25

Weil David und Batseba miteinander schliefen, obwohl Batseba noch mit einem anderen Mann verheiratet war, starb als Konsequenz ihr erstes gemeinsames Kind. David kämpfte bei Gott um Gnade und flehte ihn an, er solle sein Leben nehmen statt das des Kindes. David fastete und schrie zu Gott. Doch nichts half, das Kind starb an einer schweren Krankheit. Eine unglaubliche Dramatik und Schwere hätte sich jetzt am Königshof und im Leben von David ausbreiten können. Doch wir lesen wie David nach dem negativen Bescheid wieder aufstand, sich wusch, salbte, neue Kleider anzog – und was machte? Er ging zurück in den Tempel, um Gott wieder anzubeten. Statt sein Herz gegenüber dem Schmerz, dem Verlust, dem Leid zu öffnen, suchte er seinen Trost bei Gott. Klar kann man sagen, David war ja selber schuld. Aber ein Kind zu verlieren, ob man nun selber schuld ist oder nicht, das ist unglaublich schmerzvoll und hinterlässt tiefe Spuren. Darum finde ich es umso beeindruckender, wie David es schaffte, trotz diesem Schmerz, diesen Fragen, diesem Leid, Gott weiterhin anzubeten. Gott weiterhin zu ehren, obwohl Gott es war, der das Leid zugelassen hat. David klagte Gott weder an noch stellte er seine Entscheidung in Frage. Nein, er betete Gott weiter an.

Dies sagt mir, dass auch wir – egal was uns widerfährt, was wir durchmachen und auch wenn wir Situationen erleben, die wir nicht verstehen können – berufen sind, weiterhin Gott anzubeten. Dass wir uns diese Kraft, diese Nähe nie rauben lassen sollen. Ich denke, genau aus dieser Haltung kann wieder neues Leben, neue Hoffnung und neue Kraft gefunden werden und entstehen. David ging danach zurück zu seiner Frau, sie wurde wieder schwanger und brachte Salomo zur Welt. Der Sohn, der später dann den Thron von David erbte. Seine Mutter war die Frau, mit der David Ehebruch begangen hatte. Gott liebte Salomo so sehr, dass er ihm den Namen Jedidija gab, was „Geliebter des Herrn“ bedeutet. Gott hat David vergeben. Aber was genauso entscheidend ist: Auch David hat sich selber, der Situation und auch der Strafe, die daraus entstand, nämlich dass sein Kind sterben musste, vergeben. Er war und blieb im Frieden mit Gott. Einmal mehr öffnete er sein Herz nicht gegenüber Bitterkeit, Zorn, Wut, Leid und Härte. Er suchte stattdessen Gott, betete ihn weiter an und entdeckte neuen Segen darin. Neuen Segen in seinen Fehler und seinen Konsequenzen. Wann immer wir es schaffen, trotz Leid, Fehlern und offenen Fragen Gott weiterhin anzubeten, kann auch bei uns neue Kraft, neue Hoffnung und neue Stärke entdeckt und freigesetzt werden. Darum, egal was du erlebst, hör nie auf, Gott anzubeten. Gott kann und wird unser Herz immer wieder heilen, wenn wir bei ihm bleiben und ihn nicht loslassen.