„Wir machen jetzt gerade das, was denken Sie dazu? Wie läuft das in Ihrer Branche, wissen Sie, wen man da fragen kann?“ Roland Mack hat dabei keine Angst, „dumme Fragen“ zu stellen, denn er weiß, die gibt es nicht. Wer ihn zum ersten Mal trifft – das gilt übrigens auch für Journalisten -, wird am Anfang kaum dazu kommen, eine Frage an ihn zu richten. Anders als andere Unternehmenslenker, die gerne über Erfolgsrezepte und große Leistungen referieren, interviewt er seinerseits Menschen, die er trifft, und verschafft sich so ein ungeheures Wissen über Bereiche, mit denen er sonst nicht in Berührung kommt. Er ist ein neugieriger Mensch und, was vielleicht noch erstaunlicher ist, er hat sich diese Neugierde über all die Jahre bewahren können.“ Benno Stieber, aus: Roland Mack, Herr der Achterbahnen. S. 57

Etwas das ich bei erfolgreichen Leitern immer wieder beobachte, ist ihre lernbereite Haltung, die sie behalten haben. Erfolgreiche Leiter, die nicht stehengeblieben sind und sich über ihren ersten Erfolg weiterentwickelt haben, haben stets ein offenes Herz und einen offenen Geist behalten. Sie haben nicht das Gefühl, dass sie alles wüssten, sondern wenn du ihnen begegnest, dann kannst du einen Hunger beobachten, einen Hunger nach mehr. Nach mehr Erkenntnissen, nach mehr Wundern, nach mehr Durchbrüchen, nach mehr Wissen, nach mehr Erfahrung. Erfolgreiche Leiter haben sich entschieden, dass sie immer wieder etwas lernen können und behalten so eine offene und lernbereite Haltung.

Doch so wie sie offen sind von anderen zu lernen, so sind sie auch bereit ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen und andere an ihren Schätzen teilhaben zu lassen. Doch die Frage, der wir heute nachgehen wollen, ist: Wie balancieren wir das Ganze? Wann reden wir? Wann hören wir zu? Dazu möchten wir zusammen einen Mann aus der Bibel anschauen, Josef. Meine Frau hat darüber in ihrem Studium eine kleine Arbeit geschrieben, die mich inspiriert hat, diese Gedanken für uns noch zu vertiefen und daraus ein paar Leadershipblogs zu schreiben, die dir hoffentlich helfen werden, in deiner Leiterschaft zu wachsen.

Also zurück zu Josef. Josef war 17 Jahre als er begann, die Schaf- und Ziegenherden seines Vaters zu hüten. In der Bibel steht, dass er seinem Vater Meldung erstattete, wenn seine Brüder etwas Schlechtes taten. So gesehen ein richtiger Petzer. Mühsam oder? Als er eines Tages seinen Brüdern breitwillig zwei seiner Träume erzählt, in denen er die Hauptrolle spielt und alle anderen als Statisten fungieren durften, brodelt der Hass seiner Brüder über, sie entscheiden sich, ihren Bruder loszuwerden und verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten. So gesehen könnte man sagen, Josef mag zwar Recht gehabt haben mit seinen Träumen, aber der Zeitpunkt sowie die Art seiner Kommunikation war weder weise noch richtig gewählt.

Ich denke es ist immer wieder matchentscheidend als Leiter, dass wir lernen zu erkennen, wann wir schweigen und wann wir reden sollen. Ich möchte dir ein paar Ratschläge geben, die dir dabei helfen könnten.

1. Ratschlag: Ich höre zu, wenn die Person neben mir über mehr Erfahrung verfügt, hierarchisch über mir steht oder mir geistlich etwas zu sagen hat.

Behalte eine Haltung der Lernbereitschaft. Wenn du um Menschen herum bist, die weiter sind, mehr Erfahrung haben oder hierarchisch über dir stehen, schweige und höre gut zu. Denn sie haben dir immer etwas zu sagen. Ich persönlich habe mich darin trainiert. Ich höre gut zu und beobachte solche Leute genau. Ich will mehr von ihrer Erfahrung lernen, ich schreibe mir auf, was sie sagen und bleibe ein Lernender. Ich stelle Fragen und versuche ihren Gedankengängen zu folgen. Ich habe für mich einen Kodex entwickelt: „Ich schweige, höre aufmerksam zu, lerne, beobachte, stelle Fragen und spreche nur, wenn ich gefragt werde.“ Wenn sich der andere nicht für meine Welt interessiert, belastet mich das in keiner Weise. Denn ich bin glücklich wenn ich etwas lernen konnte, das mich und meine Leiterschaft weiterbringt.

2. Ratschlag: Ich spreche und lasse andere an meinen Gedanken und Erfahrungen teilhaben, wenn ich sie leite.

Menschen, die ich leite, denen ich vorstehe und die ich weiterbringen will, wollen mein Herz spüren, meine Gedanken kennen und müssen mich immer wieder spüren. Was denke ich, warum entscheide ich so und was sind die Hintergründe, warum ich so oder so entscheide. Ich verbringe Zeit mit ihnen in meinem Weinkeller, ich gehe mit ihnen Laufen oder nehme sie mit auf einen Ausflug. Dort geht es in erster Linie mal darum, dass sie Entscheidungen wieder besser verstehen können. Dass sie begreifen können, warum ich so denke und was in meinem Herz abgeht. So stärke ich die Einheit unter uns und gewinne sie immer wieder für die Ideen, die wir verfolgen. Leiter, die sich nicht mitteilen, für die wird es längerfristig schwierig, Menschen für den „long run“ zu gewinnen. Die Leute, die wir leiten, wollen unser Herz spüren. Sie müssen wissen, warum sie Opfer bringen und warum sie kämpfen, oftmals bis in die Nacht hinein, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Darum, nimm dir als Leiter immer wieder Zeit, deine Mitarbeiter zu gewinnen, sie an deinen Gedanken teilhaben zu lassen und ihnen dabei wieder die Vision und das Ziel zu malen. Nebenbei hörst du natürlich auch zu, was sie bewegt und lernst von ihnen, um deine Unternehmung noch besser zu machen.

3. Ratschlag: Ich höre zu und spreche falls gewünscht, wenn ich mit Menschen zusammen bin, denen ich diene.

So oft verbringe ich Zeit mit Menschen, denen wir als Leiter unserer Kirche dienen. Dort sollte es dann ein gesundes Wechselspiel von Zuhören, Reden und wieder Zuhören geben. Doch bei diesen Gesprächen bestimmen die Menschen, denen wir dienen, die Richtung des Gesprächs und die Fülle der Weisheit, die wir weitergeben dürfen. Sei weise und sensibel. Geh auf sie ein. Wenn sie zuhören wollen und offen sind für mehr, gib dein Wissen, deine Weisheiten und deine Erkenntnisse hinein. Wenn sie nur jemanden brauchen, dem sie ihre Sorgen erzählen können, aber nicht offen sind zuzuhören, dann schweige. Wirf nicht die Perlen vor die Säue, wie man so schön sagt. Das bedeutet, wirf nicht mit deinen Weisheiten um dich herum, wenn sie nicht gefragt sind. Nimm dich zurück und bleib ein Dienender. Beobachte die Menschen, dann siehst du schnell, wer von ihnen eine lernbereite Haltung hat und offen und bereit ist für mehr in seinem Leben.

Im Endeffekt hat es viel mit Sensibilität zu tun. Wir gewichten das Gegenüber höher als unser Wissen, unsere Erkenntnisse und was Gott schon alles bewegt hat mit uns und finden heraus, was unserem Gegenüber am meisten dient. Lerne von deinen Leitern und Vorgesetzten. Teile immer wieder dein Herz mit den Menschen, die du leitest, und sei sensibel mit Menschen, die dir gegenüber sind, denen du dienst, die dein Produkt kaufen oder in deine Kirche kommen. In dem Sinn wünsche ich dir, dass du immer wieder die Weisheit von Gott bekommst, wo du was sagen kannst, und wenn du mal das Gefühl hast, es fehle dir an Weisheit, dann bitte Gott darum, dass er deine Gespräche leiten und führen darf, und du wirst immer wieder die nötige Weisheit und das Feingefühl darin finden.

„Wenn jemand unter euch Weisheit braucht, weil er wissen will, wie er nach Gottes Willen handeln soll, dann kann er Gott einfach darum bitten. Und Gott, der gerne hilft, wird ihm bestimmt antworten, ohne im Vorwürfe zu machen. Aber wer ihn fragt, soll auch wirklich mit seiner Antwort rechnen!“ Jakobus 1, 5&6a