Die erste Liebe, diese Reaktion auf die Gnade Gottes, ist das Wesentliche in unserem Glauben. An ihr sollten wir uns immer wieder festhalten, niemals vergessen, wem wir alles zu verdanken haben, aufhören, alles selbst zu versuchen, und abhängig von Gott bleiben.

Die erste Liebe im Glauben ist kein Gefühl. Sie ist eine Reaktion. Eine Antwort auf die Gnade Gottes. Am Anfang des Glaubens steht immer eine Erkenntnis: »Ich kann mich selbst nicht retten. Ich brauche Gott.« Aus dieser Einsicht entsteht echte Liebe – nicht aus Pflicht, sondern aus Dankbarkeit.

Diese Wahrheit wird besonders deutlich in der Geschichte des Verbrechers am Kreuz. Er hatte nichts vorzuweisen: keine Werke, kein Wissen, keine religiöse Leistung. Und doch hörte er die Worte Jesu: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«

Ich persönlich freue mich schon jetzt auf den Moment, wenn ich im Himmel bin und diesem Verbrecher vom Kreuz begegnen werde. Ich möchte ihn unbedingt frage: »Wie war das damals für dich? Einfach so, direkt Himmel?« Er wurde ja aufgrund seiner Verbrechen zum Tode verurteilt, hat wahrscheinlich nie in der Bibel gelesen, konnte wahrscheinlich auch nicht das Vaterunser auswendig, wurde nicht getauft und hat nichts für Gott bewegt – und BOOOOOM: Einfach so hat er es in den Himmel geschafft!

Ich stelle mir das so vor: Ein Engel empfängt den Verbrecher im Himmel, schaut ihn an und sagt: »Was machst du hier?« Der Mann schaut den Engel mit großen Augen an und antwortet: »Ich weiß es nicht.« »Was meinst du, du weißt es nicht?« »Also … ich weiß es wirklich nicht … was ich hier mache.« Der Engel kratzt sich am Kopf und sagt: »Ehhh … sorry, ich muss meinen Vorgesetzten holen.« Und dann kommt er: der Chef-Engel. Er schaut ihn streng an und fragt: »Sir, wir haben ein paar Fragen an Sie: Sind Sie getauft? Kennen Sie die Bibel? Können Sie irgendwelche Verse auswendig? Haben Sie jemals etwas für Gott bewegt?« Der Mann schüttelt nur den Kopf: »Sorry … ich habe absolut keine Ahnung, wovon Sie sprechen.« Der Engel fragt weiter, von Frage zu Frage, und der Mann schaut nur ahnungslos, fragend, bis der Engel schließlich zur letzten Frage kommt und fragt: »Wieso bist du hier?« Der Mann schaut ihn an und sagt nur: »Der Mann am mittleren Kreuz hat gesagt: ich kann kommen.«

Jesus, der Mann am mittleren Kreuz, hat dem Mann gesagt, dass er in den Himmel kommen darf. Nicht wegen dem, was er getan hatte – sondern wegen dem, was er erkannt hatte. Er erkannte seine Schuld und erkannte, wer Jesus ist. Gnade bedeutet: Ich bin hier, wo ich bin, weil Jesus es erlaubt hat. Punkt. Diese erste Liebe verlieren wir dort, wo wir anfangen, unabhängig von Gott zu werden, wo wir versuchen, unseren Glauben durch Leistung zu rechtfertigen, wo wir perfekt sein wollen, statt abhängig zu bleiben. Doch die Kraft des Glaubens liegt nicht in unserer Disziplin, sondern in Gottes Gnade. Wer das vergisst, verliert das Wesentliche. Darum: Bleib abhängig. Bleib dankbar. Bleib nahe an der Gnade. Dort bleibt die Liebe lebendig.

Einer der beiden Verbrecher, die mit ihm am Kreuz hingen, höhnte: »Du bist doch der Messias, oder nicht? Dann hilf dir selbst, und hilf auch uns!« Aber der andere wies ihn zurecht. »Fürchtest du Gott auch jetzt noch nicht, wo du doch ebenso schlimm bestraft worden bist wie dieser Mann und wie ich?«, sagte er zu ihm. »Dabei werden wir zu Recht bestraft; wir bekommen den Lohn für das, was wir getan haben. Er aber hat nichts Unrechtes getan.« Dann sagte er: »Jesus, denk an mich, wenn du deine Herrschaft als König antrittst!« Jesus antwortete ihm: »Ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.« Lukas 23,39–43