Jesus sagt nicht: »Komm in meine Schule und ich erkläre dir die Bibel.« Er sagt einfach: »Folge mir nach!«
Wir alle lernen von Menschen. Vielleicht gibt es jemanden, der dich in deiner Kindheit geprägt hat. Einen Trainer, der an dich geglaubt hat. Einen Chef, der dir mehr zugetraut hat, als du dir selbst zugetraut hast. Oder einen geistlichen Leiter, der dir durch ein ehrliches Gespräch geholfen hat, einen wichtigen Schritt zu gehen. Wir alle brauchen Menschen, von denen wir lernen können. Dieses Prinzip begegnet uns nicht nur in den Sprüchen, sondern auch im Leben von Jesus.
Zur Zeit Jesu war das Verhältnis zwischen einem Lehrer und seinen Schülern ein bekanntes Bild für das Lernen. Ein Schüler wurde auf Hebräisch Talmid genannt. Dabei ging es nicht nur darum, Informationen aufzunehmen oder einem Vortrag zuzuhören. Ein Schüler lernte von seinem Lehrer und orientierte sich auch an dessen Umgang mit der Schrift und an seiner Lebensweise. Er wollte nicht nur wissen: Was lehrt mein Rabbi? Er wollte auch verstehen: Wie lebt mein Rabbi? Wie behandelt er andere Menschen? Wie reagiert er auf Schwierigkeiten? Wie trifft er Entscheidungen? Und wie setzt er Gottes Willen im Alltag um?
Dies sehen wir auch bei Jesus. Als Jesus seine ersten Jünger berief, sagte er in Matthäus 4,19:
»Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!«
Jesus sagte nicht einfach: »Kommt zu mir, damit ich euch ein paar wichtige Informationen vermittle.« Er lud sie ein, mit ihm unterwegs zu sein. Die Jünger hörten seine Lehre. Sie sahen, wie er mit Menschen umging. Sie erlebten, wie er Kranke heilte, Aussenseiter annahm und mit religiösen Lehrern diskutierte. Sie beobachteten, wie er sich zum Gebet zurückzog und wie er auf schwierige Situationen reagierte. Jesus war mit ihnen unterwegs. Er lehrte sie, korrigierte sie, forderte sie heraus und übertrug ihnen neue Aufgaben.
Das ist ein wichtiger Aspekt von Jüngerschaft: Ich bin bereit, von Jesus zu lernen und mich von ihm verändern zu lassen. Dazu gehört auch, dass ich andere Menschen an mich heranlasse, die mir helfen, zu wachsen. Menschen, die mich ermutigen, aber auch ehrlich auf Dinge hinweisen, die ich selbst vielleicht nicht sehe. Denn manchmal brauchen wir nicht jemanden, der uns einfach bestätigt. Wir brauchen jemanden, der uns liebevoll herausfordert.
Die entscheidende Frage ist: Bin ich bereit zuzuhören? Es kann sein, dass wir uns Rat wünschen – solange er unsere eigene Meinung bestätigt. Doch was passiert, wenn jemand etwas anspricht, das wir lieber nicht hören möchten?
Wir brauchen Menschen, von denen wir lernen können. Doch wir müssen auch bereit sein, Fragen zu stellen, Feedback anzunehmen und uns korrigieren zu lassen. Warte nicht einfach darauf, dass jemand von selbst auf dich zukommt. Stelle Fragen. Suche Menschen, von denen du lernen kannst. Bitte um ehrliches Feedback. Und nimm dir Zeit, über das nachzudenken, was du hörst.
Ein Dummkopf hält seine Lebensweise immer selbst für richtig, ein weiser Mensch aber hört auf guten Rat. Sprüche 12,15
